Warum Fertiggerichte dick machen

Neue Studie

Warum Fertiggerichte dick machen

Beinah jedes Kind weiß inzwischen: Tiefkühlgerichte, Kekse, Chips und Co sind auf Dauer ungesund und trotzdem liegen Fertigprodukte hierzulande voll im Trend. Stetig steigt gleichzeitig die Zahl der Übergewichtigen und Diabeteserkrankten. Eine neue US-amerikanische Studie des National Institutes of Health (NIH) enthüllt, dass der Konsum von Fertiggerichten schneller dazu verleitet, zu zugreifen und so schneller dick macht. Das NIH veröffentlichte die Studie in der Fachzeitschrift 'Cell Metabolism'.

Direkter Fertiggerichte-Test

Wie stark Fertiggerichte das Körpergewicht beeinflussen, haben die US-Forscher näher untersucht. Dafür wählten sie 20 gesunde freiwillige Probanden aus. Zehn davon waren weiblich, zehn männlich. Zusammen lebten diese für einen Monat in einer Forschungseinrichtung. Die eine Gruppe bekam jeden Tag drei Mahlzeiten aus hochverarbeiteten Lebensmitteln plus Snacks wie etwa morgens Pancakes, Würstchen, eine Portion Honig-Nuss-Cerealien oder einen Fertig-Blaubeermuffin.

Die andere Gruppe erhielt täglich ebenfalls drei Mahlzeiten plus Snacks nur ausschließlich aus unverarbeiteten Produkten. Hier bestand das Frühstück etwa aus Haferspeise, Joghurt mit Obst und Nüssen. Beide Gruppen hatten 60 Minuten Zeit pro Mahlzeit. Die Personen durften jeweils so viel der angebotenen Speisen essen, wie sie wollten. Nach zwei Wochen wurden die Gruppen getauscht.

Gewichtszunahme mit Fertiggerichten

Die Forscher teilten mit, dass die Gewichtszunahme sich nicht auf die reine Zusammensetzung des Essens zurückführen ließe, denn die Mahlzeiten waren in puncto Kaloriengehalt, Fett, Zucker, Salz, Ballaststoffe und Makronährstoffe gleich. Dennoch wurde bei den Studienteilnehmern ein unterschiedliches Essverhalten ausgelöst.

Die Energiezufuhr der Fertiggerichte war größer. Im Schnitt lag diese täglich etwa bei 500 Kilokalorien mehr, womit ein erhöhter Konsum von Kohlenhydraten und Fett, aber nicht von Proteinen einherging. Die Gewichtsveränderungen korrelierten mit der Energiezufuhr.

Mit der Ernährung durch Fertiggerichte nahmen die Teilnehmer um 0,9 plus minus 0,3 Kilogramm zu. Hingegen ergab die Ernährung mit Mahlzeiten aus frischen Lebensmitteln sogar eine Gewichtsreduktion um etwa 0,9 plus minus 0,3 Kilogramm. In den zwei Wochen nahmen die Esser der Fertigprodukte im Schnitt ein Kilogramm zu und auch ihr Körperfettanteil erhöhte sich. Ganz anders verhielt es sich mit den Personen, die frische Lebensmittel konsumierten. Sie nahmen sogar etwas ab und konnten ihr Gewicht im gleichen Maß reduzieren.

Mehrere Gründe für Gewichtszunahme

Laut der Studie war die Gewichtsreduktion der Personen, die sich ausschließlich von unbehandelten Produkten ernährten deshalb möglich, weil das Hormon Peptid anstieg, welches den Appetit stoppt, während der unverarbeiteten Diät anstieg. Das Hungerhormon Ghrelin war außerdem gesunken.

Auch wurde auf die höhere Proteinmenge der unverarbeiteten Lebensmittel verwiesen. Für eine ausreichende Sättigung und Appetitregulation ist Protein wichtiger als die aufgenommene Kalorienmenge. Ein kleinerer Proteinanteil der Nahrungsmittel verursacht daher eine höhere Wahrscheinlichkeit für Adipositas. Snacks und viele hochverarbeitete Lebensmittel enthalten nur wenig Eiweiß und sättigen daher kaum.

Schnelles Essen macht dick

Auch die Essgeschwindigkeit spielt offenbar eine entschiedene Rolle bei der Gewichtszunahme. Studienleiter Kevin D. Hall teilte in einer Pressemitteilung mit: „Wenn man schnell isst, gibt man dem Magen-Darm-Trakt möglicherweise nicht genügend Zeit, um dem Gehirn zu signalisieren, dass man satt ist.“

Sein Forscher-Team vermutet, dass die Teilnehmer die stark verarbeiteten Lebensmittel insgesamt schneller zu sich nahmen und die Sättigungsbotschaft an das Gehirn damit später eintreten kann. Dies wäre auch ein Erklärungsansatz, warum die Gruppe der Fertigprodukte durchschnittlich 508 Kalorien mehr pro Tag aufnahmen als die Vergleichsgruppe.

Gesundheitsschädliche Fertigprodukte

Bemängelt wurde, dass die Studie über die Langzeitfolgen ungesunder Ernährung jedoch nichts aussage. Für verlässliche Aussagen und Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung hätte es mehr als hundert Teilnehmer gebraucht. 20 Probanden seien zu wenig.

Doch schon länger stehen stark verarbeitete Nahrungsmittel nicht nur im Verdacht gesundheitsschädlich, sondern sogar krebsfördernd zu sein wie zuletzt auch eine Studie von 2018 veröffentlichte. Darin wurde nicht nur ein erhöhtes Krebsrisiko in Verbindung gebracht, sondern auch ein höheres Risiko, eher zu sterben. Erst kürzlich berichtete eine US-Studie, dass ungesunde Ernährung mehr Menschen töten solle als Tabak.

Gutes Essen für die Gesamtbevölkerung

Wie vorherige Studien belegen, greifen vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen häufiger zu Fertigprodukten, zumal diese in der Regel preisgünstiger sind als unbehandelte frische Lebensmittel. Verbraucherschützer und einige Mediziner fordern in Deutschland seit Jahren zucker- und salzhaltige Lebensmittel zu besteuern.

Auch die Autoren der Studie betonen den möglichen Einfluss von stark prozessierter Nahrung auf Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes. Sie raten, möglichst wenig solcher Mahlzeiten zu konsumieren. Gleichzeitig weisen auch sie darauf hin, dass frisches Essen deutlich teuer sei und fordern, sozioökonomische Faktoren bei Empfehlungen oder Regulationen zu beachten.

Wem es schmecken soll

Fertigprodukte und Softdrinks enthalten viel mehr Kalorien und viel Salz und Zucker sowie gesättigte Fettsäuren als Verbraucher annehmen. Bis heute sind die Inhaltsstoffe vieler Lebensmittel in kleinster Schriftgröße gedruckt, so dass viele Verbraucher sie ohne Vergrößerungsglas kaum lesen können.

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) will erst bis 2025 Fett, Salz und Zucker in Fertigprodukten reduzieren. Gleichzeitig wird bereits seit Jahren über ein Ampelsystem für Lebensmittel diskutiert, welches zeigen soll wie gesund Lebensmittel sind. Nun kündigt die Ministerin an, im Sommer weitere Verbraucher über verschiedene Modelle befragen zu wollen.

Dabei wurde erst im Ernährungsreport 2019 im Januar veröffentlicht wie beliebt Fertigprodukte hierzulande sind. Klöckner teilte mit, dass sie vor allem dem Verbraucher schmecken müssten. Der Geschmack war übrigens in der angeführten Studie nicht ausschlaggebend. Beide Ernährungsweisen schmeckten laut den Teilnehmern gleich gut.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

Datum: 04.06.2019
Rubrik: Kochen & Essen
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