Spargel: Top oder hopp?

Worauf es ankommt

Spargel: Top oder hopp?

Weiß, grün oder violett? Spargel wird nicht nur wegen seines Geschmacks gerne gegessen, er steht auch im Ruf, ein gesundheitlicher Alleskönner zu sein. Doch was kann er wirklich? Viele Genießer erfreuen sich jedes Frühjahr an der Spargelzeit. Schon die Ägypter nannten ihn die "göttliche Speise". Spargel ist eine uralte Heilpflanze und gilt als Lebensmittel der Wahl, wenn Magen-Darm-Beschwerden, Gallen- und Leberleiden sowie Diabetes auftreten und hilft bei Blasen-Problemen.

Gesundes Toplebensmittel

Spargel ist kalorienarm und damit ein ideales Gemüse bei Übergewicht. 100 Gramm Spargel haben nur 16 Kilokalorien. Zu 93 Prozent besteht er aus Wasser. Trotzdem enthält er viele Vitamine und Mineralstoffe. Ein Pfund Spargel deckt den Tagesbedarf an Vitamin C und Folsäure. Dieses B-Vitamin hilft bei Müdigkeit und Konzentrationsstörungen und bringt den Stoffwechsel in Schwung. Von den Vitaminen B1 und B2 hat man mit dieser Portion den halben Tagesbedarf gedeckt.

Spargel ist zudem reich an Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Kupfer und Phosphor. Diese sind gut für Herz, Knochen und Kreislauf. Sein Ballaststoffgehalt ist gering, doch enthält er einen ganz besonderen Ballaststoff, das Inulin. Es gilt als Präbiotikum, was bedeutet, dass er als Futter für die nützlichen Darmbakterien dient und somit die Darmflora positiv beeinflussen soll.

Spargel entgiftet und entwässert

Spargel ist ein glutathionreiches Gemüse. Glutathion zählt zu den stärksten Antioxidantien und hilft daher bei der Entgiftung von Schadstoffen. Er besitzt zudem eine harntreibende Wirkung und entwässert, wofür die L-Asparaginsäure verantwortlich sein soll. Diese Aminosäure fördert die Nierentätigkeit und damit die Wasserausscheidung. Spargel wird deshalb gern bei Blasenentzündungen in Form einer Durchspülungstherapie und präventiv genutzt.

Doch Vorsicht: Asparagin steigert auch den Harnsäurespiegel und kann die Nieren reizen. Das enthaltende Purin wird in Harnsäure verwandelt. Wenn Nieren nicht voll funktionstüchtig sind, kann Gicht entstehen, da die große Menge an Harnsäure nicht komplett ausgeschieden werden kann. Auch Personen, die zu Nierensteinen neigen, sollten Spargel besser meiden und ihren Arzt befragen.

Spargel ein Superalleskönner?

Darüber hinaus werden dem Spargel aber noch mehr Eigenschaften zugeschrieben. Laut Forschern von der HNB Garhwal University wirkt Spargel antioxidativ, immunstimulierend, antientzündlich sowie antibakteriell. Spargel soll außerdem die Fruchtbarkeit steigern und Leberschäden verhindern oder sogar beseitigen. Aphrodisierend soll er auch noch wirken und bei Alzheimer oder Krebs helfen. Brauchbare Studien fehlen hierzu jedoch. Spargel ist wie viele andere Gemüsesorten reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Ein Wundermittel ist er jedoch nicht.

Bio-Spargel ist gesünder

Obgleich beim Spargel nur selten die zugelassenen Höchstmengen an Pestiziden überschritten werden, sollten er besser in Bioqualität gekauft werden, da nicht selten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln analysiert wurden. Eine koreanische Studie hat überdies im Jahr 2018 gezeigt, dass Bio-Spargel mehr bioaktive Substanzen enthält als das konventionell angebaute Gemüse.

Die Frische zählt auch bei Biogemüse und deshalb sollte Spargel am besten direkt regional beim Erzeuger erworben werden, da das Gemüse maximal drei Tage nach der einer Zubereitung bedarf. Nur bei tatsächlich vorhandener Frische kann er seine Wirkung voll entfalten.

Richtig lagern und keine Zubereitung in Alu

Ist Spargel am unteren Ende sehr eingetrocknet, sollte er besser im Laden liegen bleiben. In ein feuchtes Tuch geschlagen, hält sich Spargel einige Tage im Kühlschrank. Richtig frisch ist er, wenn es quietscht. Dabei werden zwei Stangen aneinander gerieben. Auch ist es möglich, Spargel roh zu essen und geschält einzufrieren und ihn danach in noch gefrorenem Zustand zu verarbeiten.

Das Gemüse sollte auf keinen Fall in Alufolie zubereitet werden. Stark salz- oder säurehaltige Lebensmittel sollten grundsätzlich laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht in Alufolie gegart werden. Ebenso gilt: Wenn Zitrone in Alufolie zugefügt wird, steigt der Aluminiumgehalt stark an.  

Energiefressendes Luxusgut

Mit 22 Prozent der Flächen ist Spargel laut Statistischem Bundesamt das Gemüse mit der größten Anbaufläche in Deutschland. Bei der Erntemenge liegt er jedoch lediglich bei einem Anteil von unter 3%. Er benötigt also große Anbauflächen bei vergleichsweise geringem Ertrag. Andere Gemüsesorten sind weitaus ertragreicher und liefern deutlich mehr Nährwert.

Auch der Energieeinsatz ist hoch. Manche Spargelbeete haben eine Fußbodenheizung im Acker, damit die Stangen auch bei kühleren Temperaturen schneller treiben. Ein besonders hoher Ressourcenverbrauch entsteht, wenn er zum Beispiel aus Peru eingeflogen wird. Es empfiehlt sich deshalb, Spargel aus der Region zu kaufen.

Eine Maschine kann die Stangen weder behutsam genug ausgraben, noch einschätzen, wo er gestochen werden muss. Deshalb ist Spargelstechen bis heute Handarbeit, wodurch auch der Preis entsprechend hoch ausfällt. Wer Spargel genießen möchte, hat so oder so wenig Zeit: Am 24. Juni, dem Johannistag, ist die Spargelsaison schon wieder vorbei.

Autorin: Gertrud Maria Vaske

 

Datum: 01.06.2019
Rubrik: Kochen & Essen
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