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Politik: Drei Verbände eint ein Ziel

28.10.2020 von health TV

Politik: Drei Verbände eint ein Ziel

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat starkes Übergewicht. Obwohl die so genannte Adipositas von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) längst als Krankheit anerkannt ist, wurden in Deutschland erst 2020 die politischen Weichen gestellt. Dazu hat auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Adipositas beigetragen.

„Wir sehen uns in erster Linie als gemeinsamer politischer Arm der Adipositas Selbsthilfe in Deutschland“, sagt Melanie Bahlke, Vorsitzende der Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland. „Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und ein Handeln aller Beteiligten.“ Gemeinsam setzen sich drei Patientenverbände in der 2018 gegründeten Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Adipositas (BAG) für eine optimale Therapie Betroffener ein: der Adipositas Verband Deutschland, die Adipositas Hilfe Deutschland und die Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland. Dabei orientiert sich die BAG an medizinischen Leitlinien und kämpft darum, dass die Behandlungskosten von den Krankenkassen übernommen werden. Eine Intensivierung der Forschung sowie ein Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung sind weitere Ziele.

Meilensteine der politischen Arbeit

Mit der 2018 gestarteten Petition gegen Therapieverweigerung und fehlende Versorgung zeigten die Patientenvertreter, dass sie politische Themen konstruktiv angehen. Ein erster Meilenstein ist inzwischen erreicht: Im Rahmen der Nationalen Diabetesstrategie hat der Deutsche Bundestag am 3. Juli 2020 Adipositas als Krankheit anerkannt. Eine weitere, langfristig angelegte BAG-Kampagne sorgt für Aufmerksamkeit: „Gewichtsdiskriminierung NEIN Danke!“ schreitet immer dann ein, wenn es zu massiven Diskriminierungen von Menschen mit Adipositas kommt.

Schwächen in Prävention und Therapie

Eine frühzeitige Behandlung der Adipositas, kann das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen minimieren, die Lebensqualität erhalten und die Lebenszeit Betroffener verlängern. Multimodale Einstiegstherapien, bestehend aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien, sind allerdings im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht existent. Stattdessen angebotene Ernährungstherapien finanzieren sich aus den Präventionstöpfen der Kassen und eignen sich nur bedingt. „Fünf Termine in der Ernährungstherapie – das ist keine angemessene Behandlung bei langjährig bestehender Adipositas“, sagt Christel Moll, Vorsitzende des Adipositas Verbandes. Zurzeit gibt es nur eine bezahlte kassenfinanzierte Therapieform für Adipositas: die Chirurgie. Auch Medikamente gegen Adipositas sind grundsätzlich von der Erstattung ausgenommen.

Probleme in der Versorgung

Vor allem die Notfallversorgung ist dürftig, das stellt die BAG immer wieder fest. Krankentransporte oder Rettungswagen, die Adipositas-Patienten transportieren können, sind Mangelware. Auch gibt es in Krankenhäusern zu wenig Betten für Menschen, die über 150 Kilo wiegen. Und in Hausarztpraxen fehlen oft geeignete Waagen, Blutdruckmanschetten und passende Sitzgelegenheiten. Auch Toiletten und Duschen sind zu eng. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Stefanie Wirtz, Vorsitzende der Adipositas Hilfe. „Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist für Menschen mit Adipositas in vielen Bereichen erschwert oder gar unmöglich.“


Hilfe für Betroffene

Im medizinischen Bereich können sich Patienten an auf Adipositas spezialisierte Schwerpunktpraxen und Therapeuten wenden. Die Selbsthilfegruppen der drei Patientenverbände sind ebenfalls wichtige Anlaufstellen.
Weitere Informationen gibt’s im Internet:
www.bag-selbsthilfe-adipositas.de
www.scsdev.de
www.adipositasverband.de
www.adipositashilde-deutschland.de

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